Mit Hertz und Verstand — Die neuen Schwerpunkte des IdL

Johannes Grapentin

Seit Juli 2017 führt Johannes Grapentin neben Marcus Ventzke die operativen Geschäfte des IdL.

Vor einigen Wochen haben wir den Verkauf unserer mBook-Sparte an den Cornelsen Verlag bekanntgegeben. Das mBook, bisheriges Markenzeichen des Instituts für digitales Lernen, soll nun also unter neuem Dach zu einem bedeutsamen Marktstandard für viele schulische Unterrichtsfächer weiterentwickelt werden. Der Verkauf wurde an anderer Stelle bereits thematisiert. Hier soll es nun darum gehen, welche Schwerpunkte das Institut für digitales Lernen in Zukunft setzen wird.

Selbstverständlich bleibt die digitale Bildungsrevolution der Dreh- und Angelpunkt unseres Denkens und Entwickelns.

Die zu erwartenden Veränderungen dieser Revolution betreffen indes unsere Gesellschaft als Ganzes, weshalb sich der Blick über die schulische Bildung hinaus geradezu aufdrängt. Von daher widmet sich das Institut zukünftig intensiv allen Bereichen, in denen Wissen mit einem fundierten didaktischen Konzept digital vermittelt werden soll. Nicht zuletzt wollen wir mit unserer jährlichen Tagung Gesellschaft und digitale Medien (#GdM) Impulse in diesem Bereich setzen (nächste Ausgabe der Tagung am 3. November). Die Formel “Hertz und Verstand” – die orthographische Variante ist beabsichtigt – bringt es auf den Punkt: Es geht um ausgereifte digitale Bildungsinnovationen, die den Menschen dienen. Kein technologisches Bling-Bling, sondern echter Mehrwert für die Nutzerinnen und Nutzer.

 

  1. Barrierefreie digitale Bildungsangebote


    Die Überschrift liest sich leider noch immer wie ein doppelter Anachronismus, denn weder das eine noch das andere ist bislang in den Schulen angekommen: Vom barrierefreien Internet haben hierzulande nur die wenigsten etwas gehört und den Schulbuchverlagen fehlen augenscheinlich nach wie vor fundierte Umsetzungen für digitale Angebote. Gleichzeitig werden sowohl bei der Inklusion wie auch in der digitalen Bildung längst politische und gesellschaftliche Fortschritte eingefordert.

    Barrierefreie Zugänge im Unterricht ermöglichen, Urheber: Martin Bartl

    Umso wichtiger, dass wir uns so schnell wie möglich ernsthaft damit beschäftigen, wie gute digitale Angebote für Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen gestaltet sein müssen. In wenigen Wochen legen wir ein im deutschsprachigen Raum bisher einzigartiges Projekt zur digitalen Barrierefreiheit an Schulen vor. Hierbei bauen wir inhaltlich auf unserem bereits 2014 veröffentlichten digitalen Geschichtsbuch in NRW auf. Dieses wird jedoch um eine Vielzahl von Differenzierungs- und Hilfsfunktionen erweitert, die das Lernen und Unterrichten in heterogenen Gruppen erleichtern werden. Zu diesem Thema erscheint hier in Kürze mehr.

    2. Digitale Konstruktionsdidaktik – Beratung, Konzepte, Entwicklung


    Bei diesem Thema bewährt sich, dass wir von Anfang an auf Innovation und Qualität gesetzt haben. Und dies eben nicht nur bei den Technologien, sondern auch im Zusammenhang mit den Inhalten sowie den zugrunde liegenden didaktischen Konzepten. „Es gibt einfach zu wenige didaktischen Konzepte, wie die Kinder auf die digitalisierte Welt

    Modell "Human Enhancement", Urheber: Günther Herrler

    vorbereitet werden sollen“, bemängelte jüngst ein Essayist auf SZ-Online zurecht. Wir haben in den letzten sieben Jahren solche Konzepte erarbeitet und arbeiten täglich weiter daran. Was heißt das konkret? Neben den traditionellen Partnern im Schul-, Bildungs- und Medienbereich führen wir auch Gespräche mit NGOs, Ministerien, Wirtschaftsunternehmen, Museen und kirchlichen Einrichtungen. In manchen Fällen geht es um Beratungen und Weiterbildung, in anderen um die Ausarbeitung konkreter Konzepte und Anwendungen. Bezeichnenderweise einen all unsere Partner dieselben Fragen, die uns in der Ausarbeitung der mBooks immer geleitet haben: Wen wollen wir erreichen? Welche Geschichten wollen wir erzählen? Was sind die idealen (technologischen) Werkzeuge dafür? Von daher liegt es also geradezu auf der Hand, unsere Erfahrungen im schulischen Bereich auf die oben genannten Kontexte zu übertragen.

    3. Mixed Reality & Virtual Reality in der Bildung



    Dabei ist uns sehr bewusst, dass die Digitalisierung der (Lebens-)Welt gerade erst begonnen hat. Bildung wird uns in der Zukunft anders umgeben als bisher. Sie wird immer weniger nur bestimmte Phasen des Lebens füllen und in vorbezeichneten (schulischen) Räumen stattfinden.

    Collage zu neuen Lernwelten, Urheber: Tobias Arendt

    Vielmehr wird sie zu einer Grundhaltung des gesamten Lebens avancieren und wesentlicher Bestandteil unseres permanenten sozial-kommunikativen Kontextes sein. Digitale Bildung wird zudem Erkenntniswerkzeuge liefern, die weit über das hinausgehen, was die heutige analoge Inhalts-Methoden-Kombination zu liefern in der Lage ist. Wir werden auf neue Weise in Lernmaterien einsteigen und geistige Welten auf nie gekannte Weise ergründen können. Die ersten Wege in diese neuen Lernwelten werden von Augmented/Mixed- oder Virtual Reality bestimmt sein: Der Name dieser Technologien beschreibt schon den Weg: Es geht etwa um die Erweiterung der Realität und damit auch um die Erweiterung des Bewusstseins von Lernenden – ihres historischen, ethischen, naturwissenschaftlichen, sprachlichen, politischen und ästhetischen Bewusstseins. Was das für Lernprozesse, für Kompetenzvorstellungen, für didaktische Konzepte bedeutet? Wir suchen nach Antworten auf alle diese Fragen – mit Hertz und Verstand.

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