Der mGuide für das Töpfereimuseum Raeren — eine multimediale Reise in die Vergangenheit

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Benjamin Heinz

"Die Raerener Fuhrleute waren tagelang unterwegs, bis sie endlich in Köln waren, denn die Straßen waren schlecht und die Reise gefährlich. Bis in die großen Hafenstädte wurde unser Raerener Steinzeug von ihnen gebracht [...]. Eine solche Reise war oft schwieriger als gedacht, denn Straßen und Meere waren unberechenbar." - Eine Passage aus dem Animationsfilm zum Thema 'Frühe Globalisierung' im neuen mGuide des Töpfereimuseums Raeren.

Warentransport war in der Frühen Neuzeit viel unberechenbarer und gefährlicher als heute. Er stellte die erfahrensten Händler, Fuhrleute und Seefahrer tagtäglich vor neue, im Vorfeld kaum abzuschätzende Herausforderungen.

Was die Fuhrleute aus dem limburgischen Ort Raeren transportierten? Steinzeug. Das Raerener Steinzeug  war im 16. und 17. Jahrhundert sehr gefragt. Töpfe, Krüge, Vasen oder anderes Geschirr  - nahezu für jeden Zweck hatten Raerener Töpfer etwas im Angebot. Sie waren weltweit für ihre hart gebrannten, wasserdichten und geschmacksneutralen Produkte bekannt. Viele Geschichten rankten und ranken sich bis heute um die Herstellung der Gefäße und um den Transport des Steinzeugs in alle Teile der damals bekannten Welt.

Das Töpfereimuseum in Raeren hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Raerener Steinzeug zu sammeln, zu bewahren, zu erforschen und Besuchern zu präsentieren. Dazu gehören auch die faszinierenden Geschichten über eines der High-Tech-Produkte der Frühen Neuzeit. Das Institut für digitales Lernen hat die Inhalte des Museums digital aufbereitet und dafür den mGuide entwickelt - eine multimediale Museums-App, die Museumsobjekte mit ihrem vergangenen oder gegenwärtigen Kontext verbindet.

Der kleine belgische Ort Raeren liegt nahe der deutschen Grenze, 10 km von Aachen entfernt und ist Teil der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

Das Töpfereimuseum Raeren
Das Museum präsentiert einen Überblick über die eindrucksvolle Geschichte des Raerener Steinzeugs. Die Sammlung ist in der Burg Raeren aus dem 14. Jahrhundert untergebracht. Ausgestellt werden u.a. Gefäße berühmter Raerener Töpfermeister. Ohne die zweifellos spannenden Geschichten hinter diesen Gefäßen bleiben die Objekte für die meisten Besucher aber stumm und damit langweilig. Also haben wir uns entschieden, den Alltag der Töpfermeister, ihr Leben und Arbeiten mit digitalen Mitteln wieder zum Leben zu erwecken, um die Welt des Raerener Steinzeugs heutigen Besuchern nahezubringen.

Die Wasserburg beherbergt das Töpfereimuseum.

Überall Töpfe: In den Vitrinen des Museums werden die unterschiedlichen Phasen des Raerener Steinzeugs dargestellt.

Ein Museum mit einer Keramikausstellung? Langweilig. - Nicht unbedingt!
Der mGuide zeigt dem Besucher die spannenden Seiten der Steinzeugproduktion, indem er die Objekte u.a. mit den Schritten ihrer Herstellung sowie den Funktionserwartungen und Lebensweisen der Händler und Käufer verbindet. Auf diese Weise entsteht ein tieferer, an vielen Stellen auch persönlicherer Zugang zu den Themen: Wir lassen beispielsweise im mGuide den berühmten Töpfermeister Jan Emmens Mennicken auftreten, der im 16. Jahrhundert lebte. In fiktiven Animations-Geschichten begleitet er die Besucher durch die App und ist gleichzeitig der Erzähler quellenbasierter und gut recherchierter Geschichten zu allen Aspekten des Raerener Steinzeugs. Er führt den Besucher gewissermaßen zurück in die Vergangenheit. Durch ihn wird die Geschichte Raerens vorstellbar, vielseitig erfahrbar, eben wieder 'lebendig'.

Raerener Steinzeug - das sind keine leblosen, alten Töpfe und Schüsseln. Sie erzählen uns heute von den Formen der Massenproduktion des 16. Jahrhunderts, von abenteuerlichen Seereisen um die ganzen Welt oder den Wirkungen der frühen Globalisierung. Sie erzählen von langen Pilgerfahrten und wilden Trinkgelagen, von medizinischer Technik und Lagerhaltung auf Schiffen, und sie geben uns einen Einblick in die erotischen Fantasien der Menschen der Frühen Neuzeit.  Raerener Krüge zeigen uns die beeindruckende Bilderwelt der Konfessionalisierungszeit - mit Comicstrips, Wappen und geheimnissvollen Symbolen.

Erfolgreiches Teamwork mit der Zielgruppe
Das App-Projekt entstand in Zusammenarbeit mit einer Schulklasse aus Eupen (Belgien). Schülerinnen und Schüler sind eine der wichtigsten Zielgruppen der App und waren damit unsere tatkräftigen Mitentwickler. In zwei mehrtägigen Workshops erstellten wir mit ihnen gemeinsam Inhalte, die für jugendliche Besucher spannend sind. Zu Beginn der Workshops führten wird deshalb in die Prinzipien des Geschichtenerzählens ein. Danach erfanden die Schüler eigene Geschichten, entwickelten die Dramaturgie für Videos und gestalteten die dazugehörigen Storyboards.

Galerie: Workshop Teil 1

Galerie: Workshop Teil 2 



Nutzung der App im Museum
Die App kann kostenlos für die Smartphone-Betriebssysteme Android und iOS heruntergeladen werden. Außerdem stehen im Museum Leihgeräte zur Verfügung. Die App dient dabei sowohl der Begleitung des Museumsbesuchs als auch der Vor- und Nachbereitung.

App-Marketing: Tue Gutes und rede darüber

Museen, die faszinierende Apps produzieren oder produzieren lassen, sollten für deren Nutzung werben. Apps sind aufwendig zu erstellen, schon ihre Konzepte sind sehr zeit- und kostenintensiv. Daher ist es unser Ziel, dass möglichst viele Besucher und Interessierte auf die App aufmerksam werden und sie herunterladen.
Zum Launch der App möchten wir viele Menschen für den mGuide des Töpfereimuseums Raeren und des Instituts für digitales Lernen begeistern. Dieser Blog-Beitrag ist somit Teil der Marketing-Strategie. Auch auf anderen Plattformen werden Sie etwas über unseren mGuide lesen, hören und sehen können.

Damit bleibt zum Abschluss nur noch unsere Empfehlung an Sie: Laden Sie unseren mGuide herunter, besuchen Sie das Töpfereimuseum Raeren, und begeben Sie sich auf eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit ...

Der mGuide
Töpfereimuseum Raeren
Download: iOS
Download: Android

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Ein Gedanke zu „Der mGuide für das Töpfereimuseum Raeren — eine multimediale Reise in die Vergangenheit

  1. Ein klei­nes Muse­um, spe­zia­li­siert auf einen his­to­ri­schen Teil­be­reich der Kera­mik, der außer Samm­lern und Wis­sen­schaft­lern eigent­li­ch nie­man­den inter­es­siert — und dazu dann eine Muse­ums­app! Wie passt das zusam­men?

    Tat­säch­li­ch ist es so, wie Ben­ja­min Heinz schreibt und wie er es wohl auch im Zuge der Arbeit an der App selbst erlebt hat: Die­ses Muse­um — wie so vie­le ande­re auch — hat mehr zu bie­ten als die vie­len “Töp­fe” — “Pöt­te”, wie wir sie in Rae­ren nen­nen.
    Jedes der mehr als 2.000 Objek­te hat sei­nen eige­nen Wert — künst­le­ri­sch, hand­werk­li­ch, tech­ni­sch oder auch anti­qua­ri­sch. Aber jedes Objekt hat auch eine Geschich­te zu erzäh­len: Die Geschich­te von den Men­schen, die es her­stell­ten, von deren Lebens- und Arbeits­wei­sen, von ihren Schwie­rig­kei­ten, ihrem Inno­va­ti­ons­drang, ihren wirt­schaft­li­chen Zwän­gen, ihren fami­liä­ren Ver­bin­dun­gen usw..
    Es sind die­se Geschich­ten hin­ter der Geschich­te, die Aus­stel­lungs­ob­jek­te und damit auch ein Muse­um leben­dig wer­den las­sen. Lei­der sind sie nicht offen­sicht­li­ch; die Objek­te selbst kön­nen sie nicht erzäh­len und so blei­ben sie für vie­le Besu­cher “tot”. Mit dem rela­tiv neu­en Medi­um der App wird es aber mög­li­ch, sie zu ver­mit­teln und jedem Nut­zer nach sei­nen indi­vi­du­el­len Wün­schen und Vor­lie­ben zur Ver­fü­gung zu stel­len — viel­schich­ti­ger und anschau­li­cher, als ein Audio­gui­de dies kann. 

    Unter Anlei­tung und Beglei­tung von Fach­leu­ten des Muse­ums und des Insti­tuts für digi­ta­les Ler­nen waren es Sekun­dar­schü­ler, die die­se Geschich­ten her­aus­ge­kit­zelt, for­mu­liert und in beweg­te Bil­der umge­setzt haben. Dies ist das eigent­li­ch Beson­de­re an die­sem Pro­jekt. Sowohl die nar­ra­ti­ven Schü­ler­vi­deos als auch die beglei­ten­den Rah­men­tex­te und das Bild­ma­te­ri­al schau­en aus dem Blick­win­kel und mit den Fra­ge­stel­lun­gen der Besu­cher auf die Objek­te und erge­ben so eine enge Ver­bin­dung zur Gegen­wart und zu unse­rer all­täg­li­chen Lebens­welt. Damit wird die “Tup­per­ware des Mit­tel­al­ters und der Frü­hen Neu­zeit” ein Stück weit leben­di­ger. Ähn­li­ch den Bei­trä­gen in “wis­sen­schaft­li­chen” Fern­seh­ma­ga­zi­nen wie “Gali­leo”, “Welt der Wun­der” oder ande­ren, las­sen uns die ver­schie­de­nen Infor­ma­ti­ons­ebe­nen des mGui­de eini­ge Din­ge bes­ser ver­ste­hen: die Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se, die wirt­schaft­li­chen Mecha­nis­men, die Design­prin­zi­pi­en und die Ver­wen­dungs­zwe­cke des Rae­re­ner Stein­zeugs.

    Wir hof­fen, dass die­se App einen klei­nen Bei­trag dazu leis­ten wird, Muse­um für alle Alters­grup­pen ein wenig attrak­ti­ver zu machen. Ermög­licht wur­de sie durch die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung der König Bau­douin Stif­tung und die stän­di­ge Grund­la­gen­fi­nan­zie­rung des Töp­fe­rei­mu­se­ums Rae­ren durch die Deutsch­spra­chi­ge Gemein­schaft Bel­gi­ens sowie der Gemein­de Rae­ren. Ent­stan­den ist sie durch eine über­aus frucht­ba­re, berei­chern­de und unpro­ble­ma­ti­sche Zusam­men­ar­beit zwi­schen dem Töp­fe­rei­mu­se­um Rae­ren, dem Insti­tut für digi­ta­les Ler­nen Eich­stätt und den ver­ant­wort­li­chen Leh­rern und Schü­lern der Pater Dami­an Sekun­dar­schu­le Eupen. Für bei­des möch­te ich an die­ser Stel­le ein­mal mei­nen aller größ­ten Dank aus­spre­chen.

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