Den „Träumen sehr nahe“ gekommen – mBook Belgien gewinnt digitalen Sonderpreis ‚Schulbuch des Jahres 2016‘

Marcus Ventzke

Am 18. März 2016 wurde der für die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien entwickelte mBook-Band „Das lange 19. Jahrhundert“ während der Leipziger Buchmesse mit dem „Sonderpreis Schulbuch des Jahres 2016“ ausgezeichnet. Dieser wurde in diesem Jahr erstmalig vergeben, um auf die zunehmende Bedeutung des Themas Digitalisierung im Bildungswesen hinzuweisen.

Das mBook – Schulbuch des Jahres 2016

Prof. Dr. Eckhardt Fuchs, der Direktor des Georg-Eckert-Instituts für Internationale Schulbuchforschung, das den Preis in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz vergibt, hob den „großen Nutzen“ der ausgezeichneten „Bildungsmedien für das Lehren und Lernen in allen Lebensbereichen“ hervor.

Prof. Pohl über das Idealbild eines guten Schulbuchs

Die Jury unter Leitung von Prof. Karl Heinrich Pohl wies mit Blick auf das digital-multimediale Konzept des mBooks und dessen Umsetzung darauf hin, dass „Grundkriterien“ historischen Denkens wie „Multiperspektivität, Kontroversität, ‚offenes Geschichtsbild’ und ‚Überwältigungsverbot’“ im mBook nicht nur „minutiös beachtet“, sondern auch „glänzend umgesetzt“ wurden. Überzeugt habe zudem, dass der Kompetenzenerwerb „ganz unaufdringlich“ angelegt sei und dabei stets rückgebunden an das „umfangreiche und stets interessante Material.“ Und zur fachinhaltlichen Grundlage des mBooks merkte er an, es sei sehr überzeugend, „in welch hohen Maße das Werk den gegenwärtigen Stand der Forschung widerspiegelt.“
Eingangs der Laudatio auf das mBook hatte Prof. Pohl sein Idealbild eines wirklich guten Schulbuchs geschildert: Er träume, so Pohl, von einem Werk, „das er lieben könnte, das zum Lesen und Arbeiten reizt und doch ernsthaft und wissenschaftsnah ist“, das „alle formalen Kriterien erfüllt“ und trotzdem „ganz uneingeengt neue Ideen generiert“, das „neue Techniken nutzt, […] sich ihnen jedoch nicht unterwirft, […] das Kreativität fördert und Spaß macht“. Und Pohl beendete seine Schilderung mit dem Bekenntnis, das mBook komme seinen „Träumen sehr nahe“.
Insgesamt schlage dieses digital-multimediale Werk “eine Brücke zwischen dem klassischen Schulbuch und der digitalen Welt” und sei gerade dafür in besonderer Weise zu ehren.

Brücke zwischen dem klassischen Schulbuch und der digitalen Welt

Damit findet die jahrelange konzentrierte und konzertierte Arbeit des Instituts für digitales Lernen eine verdiente Würdigung – eine Arbeit, die sich dadurch auszeichnet, dass sie im Prozess der Buchgestaltung Inhalte, didaktische Konzepte, mediale Kreationen und technische Umsetzungen zusammenführt, statt die Schulbuchelemente schon im Erstellungsvorgang voneinander zu separieren und folglich eher additiv zu behandeln. Die Summe von Einzelteilen ergibt – wie Schulbuchanalysen zeigen – kein kohärentes Schulbuch, und inkohärente Schulbücher können den unterrichtlichen Denkprozess auch nur begrenzt oder gar nicht voranbringen.

Das mBook – Beispiel für eine digitale Inkunabel?

Das mBook ist das erste alltagstaugliche, auf praktische Unterrichtsbedürfnisse und schulische Organisationsherausforderungen abgestimmte Werk, das in der Lage ist, einen digitalen Mehrwert zu erschließen. Kann sein, dass wir mit diesem Buch eines jener seltenen Muster vor uns haben, die über längere Zeit in der Lage sind, standardsetzend zu wirken.

Das mBook – Beispiel für eine digitale Inkunabel?

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Publizieren wissenschaftlicher Arbeiten – von den Grenzen des Analogen und den Potentialen des Digitalen.

Florian Sochatzy

Gerade habe ich meine Doktorarbeit mit dem Titel „Das multimediale Schulbuch (mBook) – von der Theorie in die Praxis:
Konzeption, Produktion und empirische Überprüfung eines multimedialen Geschichtsschulbuchs“ abgeschlossen.
Und jetzt stehe ich, welch impertinente ‚Überraschung‘, vor dem gleichen Problem wie Generationen von Doktoranden vor mir: ohne Publikation kein schicker Titel.
Um diese, den Doktoranden schwer belastende Tatsache herum hat sich in den letzten Jahrzehnten eine Verlagsindustrie gebildet, die mit dieser letzten Hürde vor der wissenschaftlichen Weihe Geld verdient. Die Angebote reichen von renommiert (De Gruyter etc.) bis belächelt (Shaker Verlag etc.). Der Verlag übernimmt dabei Druck und Vertrieb der Bücher. Soviel zu den Vorteilen.
Die Liste der Einschränkungen und Nachteile dieses Systems liest sich (in der Regel) deutlich länger.
Der Verlag
– kümmert sich nicht um den Satz,
– führt kein Lektorat durch,
– begutachtet den Inhalt nicht,
– druckt normalerweise nur sehr kleine Auflagen (um die 150 Stück),
– verlangt einen hohen Druckkostenzuschuss (etwa 1.000-4.000€),
– sichert sich exklusive Rechte am Werk,
– führt kaum oder keine Werbemaßnahmen durch.
Also zusammenfassend: Als Autor schreibt, setzt und redigiert man, bezahlt dann einen vierstelligen Betrag, um daraufhin so gut wie keine Reichweite oder Sichtbarkeit zu bekommen und muss im Anschluss (meist erfolglos) betteln, wenn man einen Auszug seines eigenen Werks an einer anderen Stelle veröffentlichen möchte.
Da drängt sich die Frage auf, warum dieses System immer noch funktioniert, und warum nicht fast alle Doktoranden ihr Werk kostenlos (sogar mit einer Option auf Gewinn statt garantiertem Verlust), einfach, schnell und mit potentiell sehr hoher Reichweite online publizieren.
Meine Antwort darauf: anachronistische Sentimentalitäten mit einer ordentlichen Prise Standesdünkel. Frei nach dem Motto: „Ich möchte mein Werk aber im (meist sehr lieblos gestalteten) Umschlag eines renommierten Verlags sehen. Das hebt mein Prestige als Wissenschaftler“.
Diese Antwort (und welch andere Antwort könnte es mit Blick auf die Nachteile sonst noch geben?) spiegelt sehr deutlich die Rückständigkeit unserer Bildungs- und Wissenschaftslandschaft wieder. Nicht Inhalte, sondern die Tradition von Anstalten und die Abzeichen von Eliten zeugen von ‚Qualität‘.
Die oben beschriebene ‚Veröffentlichungsstrategie‘ findet man auch bei der Publikation von Forschungsergebnissen,  zum Beispiel in DFG-Projekten etc.  Die Ergebnisse sollen nach Vorgaben der Drittmittelgeber oftmals ohne Login und Kosten (Open Access) der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Nichts leichter als das, würde man denken. Man lade die PDF oder das ePub einfach auf die Projektseite und schon ist die Open-Access-Publikation getätigt.
Alternativ könnte man sich auch an einen Verlag wenden, der dann in etwa folgende Argumentation vorlegt:
„Wenn das Werk Open Access angeboten werden soll, dann verkaufen wir natürlich kaum mehr oder sogar keine gedruckten Bücher mehr. Das bedeutet, dass der ‚Druckkostenzuschuss‘ noch einmal deutlich höher ausfallen muss. Wir bieten dafür eine PDF auf der Seite unseres Verlages, die leider einen deutlich 4-stelligen Betrag als ‚Druckkostenzuschuss‘ erforderlich macht. Satz und Redaktion sind selbstverständlich vom Auftraggeber zu übernehmen.“
Es bleibt zu hoffen, dass diese Logiken bald von allen Beteiligten als das erkannt werden, was sie sind: teuere und anachronistische Denkweisen aus einem vergangenem Jahrtausend.
Die durch ein Umdenken frei werdenden Ressourcen könnten in einem weiteren Schritt möglicherweise sogar sinnvoll für zum Beispiel wissenschaftliche Nachwuchsförderung genutzt werden.

 

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Hausmitteilung: Das Institut für digitales Lernen auf der Leipziger Buchmesse 2016

von Marcus Ventzke

Vom mBook schon gehört, aber noch nie gesehen? Über den Museumsführer mGuide schon gelesen, aber noch keine genaue Vorstellung von Aufbau und Wirkungsweise? Gerade mit einem spannenden wissenschaftlichen Projekt begonnen, aber keine gute Idee, wie man Ergebnisse im digitalen Zeitalter aufbereitet und wirksam veröffentlicht?

Das Institut für digitales Lernen ist in diesem Jahr mit einem eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Sie haben also die Gelegenheit, über digital-multimediale Lehr- und Lernmittel, Museums-Apps und digitale Wissenschaftskommunikation mit uns zu sprechen.

Das Institut für digitales Lernen ist von der Jury der Plattform Neuland 2.0 als eines von 15  Startups ausgewählt worden, sich auf der Leipziger Buchmesse als Teil der jungen und innovativen Digitalszene im Verlags- und Bildungsbereich zu präsentieren.

Wenn Sie also besseren, erfolgreicheren und einfacher vorzubereitenden Unterricht mit digitalen Schulbüchern halten wollen, wenn Sie Ihr Museum/ Ihre Ausstellungen endlich öffentlich sichtbar machen wollen, und wenn es Sie auch stört, dass Ihre wissenschaftliche Arbeit nur eine geringe öffentliche Wahrnehmung hat, dann lassen Sie uns über Lösungen reden.

Besuchen Sie uns am 18. und 19. März 2016 auf der Leipziger Buchmesse in der Halle 5 und sprechen Sie mit uns über Ihre Vorstellungen digitaler Zukunft.

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„And the winner is … das mBook.“

Marcus Ventzke

Das mBook des Instituts für digitales Lernen hat den eBook Award 2015 gewonnen, der auf der Frankfurter Buchmesse vergeben wird. Damit schließt sich für die Initiatoren und Mitarbeiter dieses Projekts zunächst ein Kreis, der von den ersten Projketideen, über deren Realisierung im Produkt und dessen Implementierung in den schulischen Alltag bis zur öffentlichen Anerkennung reicht. Im Frühjahr war das mBook bereits für den auf der Leipziger Buchmesse vergebenen Preis „Schulbuch des Jahres“ des Georg-Eckert-Instituts nominiert.

Innovation in Schulen ist möglich
Reflektiert man nun mit Blick auf die breite öffentliche Anerkennung des mBooks und seinen Erfolg bei Lehrern wie Schülern den Weg und die bestimmenden Faktoren dieses Projekts, lassen sich Schlüsse für die Zukunft ziehen.
Zum einen zeigt sich, wie groß das Bedürfnis nach einer Weiterentwicklung der Lehr- und Lernmittel auf allen Ebenen ist: Die Nutzer (Schüler und Lehrer) wollen Schulbücher, deren inhaltliche Argumentationen vom Paradigma der Kompetenzorientierung getragen werden. Sie wollen neue Fragen stellen und sich auf den Weg nach eigenen Erkenntnissen machen. Sie wollen die weitgehend anregungsfreien und herausforderungslosen, bis zum Überdruss bekannten Darstellungskonventionen analoger Schulbücher hinter sich lassen. Sie schätzen modernes Grafikdesign und digitale Arbeitsmittel. Sie suchen nach einer zeitgemäßen Medienpädagogik, die nicht im Trockenschwimmen schlecht gemachter ‚Internetführerscheine’ hängen bleibt, sondern es ermöglicht, den Umgang mit (digitalen) Medien an Inhalten zu erlernen und anzuwenden.

Alltagstauglichkeit statt Test-Projekte
Die Nutzer wollen endlich die Phase vereinzelter, zeitlich wie räumlich begrenzter Testmodule und Projektchen hinter sich lassen und alltagstaugliche, mit den Ausstattungssituationen der Schulen kompatible Leitmedien zum Einsatz bringen, die einen lehrplanbasierten Unterricht über ganze Schuljahre tragen.
Sie verlangen, dass Fachwissenschaftler, Bildungsforscher, Schulverwaltungen und Bildungsmedienproduzenten ihre geistige Kleinstaaterei aufgeben und endlich im Dienste der Unterrichts- und Schulentwicklung mit ihnen zusammenarbeiten. Statt sich klammheimlich von der Kompetenzorientierung zu verabschieden[1], sollten alle Beteiligten endlich die Chancen der digitalen Revolution sehen und anfangen, sie zu gestalten. Nur dann werden sie Erfolg haben – zusammen und jeder für sich.

mBook als Motor der Unterrichtsentwicklung
Die Forderungen von Lehrern und Schülern sind Teil der mBook-Konzeption und das Institut für digitales Lernen (IdL) hat sich auf den Weg gemacht, sie umzusetzen. Dabei behaupten wir nicht, das „ideale Schulbuch“ (J. Rüsen) entdeckt zu haben; worauf alle Autoren, Didaktiker, Layouter, Grafiker, Informatiker und Kommunikationsstrategen des IdL aber in der Tat stolz sein können ist, dass sie – gegen manchmal erhebliche Widerstände – erste Pfade gelegt haben, auf denen man weitergehen kann.
Die didaktischen Verbesserungen und Synergieeffekte, organisatorischen Erleichterungen und Hebelwirkungen des mBooks im Alltag sind groß. So reflektieren es Schüler und Lehrer. Nur drei Beispiele: Ein multimediales Schulbuchangebot zu haben, das reichlich Möglichkeiten für Erweiterungen und Vertiefungen bietet und die tagtägliche Jagd nach wenigstens halbwegs passenden Materialien sowie Projektions- und Halterungsgeräten im Schulalltag deutlich abmildert, schafft erhebliche organisatorische Erleichterungen. Darüber hinaus entstehen Verbesserungen und Synergieeffekte im Lernen: Bildliche und textliche Narrationen lassen sich miteinander vergleichen, Multiperspektivität kann endlich auch anhand des Lehr und Lernmaterials aufgezeigt werden, Auswahlentscheidungen werden transparent. Die Hebelwirkungen des mBooks sind ebenfalls deutlich zu sehen, etwa, wenn sich Schulen mit Fördervereinen und Schulträgern auf den Weg machen, technische Ausstattungen zu verbessern, weil sie jetzt wissen wofür.[2] Der umgekehrte Weg, erst Technik, dann die Frage nach dem Inhalt, ist sinnlos. Leider wurde gerade dieser Weg in der Vergangenheit nur all zu oft beschritten und das hat bei Lehrern und Schülern immer wieder zu Entmutigungen geführt und viele sinnvolle Ideen unnötig desavouiert.

Books in Browser als Zukunftsmodell
Die Jury des ebook-Awards weist auf die flexiblen Möglichkeiten der technischen Umsetzung des mBooks hin: „Basierend auf einem elaborierten didaktischen Konzept wurden die Lehrplan-Inhalte in textueller Darstellung zusammen mit multimedialen Ergänzungen, Lernmaterialien, Originalquellen und Arbeitsaufgaben kombiniert und über eine eigens entwickelte Web-Anwendung verfügbar gemacht.“[3] Der Books-in-Browser-Ansatz ist gerade für die Schulen eine attraktive Möglichkeit, trotz unterschiedlicher technischer Voraussetzungen die digitale Welt sinnvoll zu nutzen. Es braucht keine speziellen Lesegeräte, Softwarevoraussetzungen oder Gerätetypen. Das mBook funktioniert auf jedem Gerät, das über einen Browser verfügt. Es lässt sich online und offline nutzen. Es bietet ideale Möglichkeiten zur Integration unterschiedlicher medialer Narrationen und lässt sich mit Blick auf die Handhabung so niedrigschwellig gestalten, dass technikfernere Nutzer sehr schnell dazu bewogen werden können, es in ihre Arbeitsvorgänge zu integrieren.
Dieser technische Ansatz ist nicht zuletzt für die Buchbranche insgesamt attraktiv. Auch größere Publikumsverlage kämpfen nicht selten mit ähnlichen oder sogar mit den gleichen Problemen wie die Schulen. Noch Ende des letzten Jahres konnte man von Kollegen während der E-publish auf die Frage, warum der Books-in-Browser-Ansatz angesichts der vielfältigen ästhetischen Einschränkungen und Kompatibilitätsprobleme im E-Reader-Bereich nicht viel offensiver genutzt wird, die verwirrte Antwort bekommen: „Ja, aber dann ist es ja kein Buch mehr.“ Nur, so meine Nachfragen: Ist es wirklich notwendig, analoge Standards der Buchdefinition mit digitalen Mitteln nachzubilden? Warum und für wen sollte man das machen? Und ist dieses Festhalten an analogen Standards tatsächlich die Grundlage für bessere Geschäfte in der (digitalen) Buchbranche?

Fazit: Die digitale Buchwelt erfordert ernsthafte Reformen in der Organisation von Buchproduktion und -implementierung
Einige Kollegen der Buchbranche diskutierten während der letzten E-publish in Berlin die Frage, ob man den Absatz digitaler Bücher nicht mit traditionellen Werbemaßnahmen ankurbeln könnte. So wurde u.a. auch ein Button ins Spiel gebracht, der die Botschaft „Content inside“ an die Leser bringen sollte.[4]
So merkwürdig solche Ideen zunächst erscheinen, sie verweisen auf ein Problem, das nicht nur der Schulbuchbereich hat: das sektorale Denken. Die Bereiche Inhaltsproduktion, Vertrieb, Werbung und Kundenbetreuung arbeiten strukturell nicht so konsequent und dauerhaft zusammen wie es nötig wäre, um bleibenden Markterfolg zu haben.
Digitalität ist jedoch nicht nur eine Technik, die für jeden Beteiligten bestimmte Änderungen an Arbeitsmitteln und Arbeitsweisen hervorbringt; Digitalität führt zu einer Revolution all unserer Lebensvollzüge. Und diese Revolution bringt es mit sich, dass die Medienwelt vernetzter, kommunikativer, synergetischer, kollektiver, transparenter und direkter wird. Daraus folgt, dass der Kontakt von Autoren, Verlagsmitarbeitern, Buchhändlern und Nutzern enger sein muss und jeder für den Bereich des anderen mitverantwortlich ist. Insbesondere im Schulbuchbereich sollten die Akteure sich noch klarer machen, dass „eine kundenorientierte Produktentwicklung und Marktbearbeitung […] in dynamischen Käufermärkten eine Selbstverständlichkeit“ werden muss. „Dies reflektieren auch einschlägige Entwicklungsmethoden wie das Design Thinking und der Human Centered Design Process. Im Kontext der Digitalisierung von Medienprodukten rückt angesichts der verhaltenen Zahlungsbereitschaft ein Teilaspekt in der Vordergrund: der (wahrgenommene) Produktnutzen. Nur wenn der Produktnutzen höher als bei kostenlosen Angeboten wahrgenommen wird, entsteht eine Zahlungsbereitschaft.“[5]
Medienkonvergenz ist eben keine technische Frage allein, sie hat erhebliche Wirkungen auf Produktionsorganisation, Berufsfelddefinition und Medienkommunikation. In die Arbeit am mBook-Projekt des Instituts für digitales Lernen sind viele dieser Aspekte bereits einbezogen worden, und deshalb ist es so innovativ.

[1] Hellmuth, Thomas: Über Kompetenzen – oder doch eher: Wie wär’s mit Bildung?, in: Public History Weekly 3 (2015) 27, DOI:dx.doi.org/10.1515/phw-2015-4536.
[2] Siehe dazu etwa folgende Informationen: http://xn--institut-fr-digitales-lernen-b7c.de/startseite/presse/ [18.10.2015] sowie Marcus Ventzke und Bernadette Thielen, NRW 4.0: Entwicklung und Erprobung digitaler Schulbücher – Das Beispiel mBook NRW, in: Schule NRW. Amtsblatt des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, 67 Jg., Nr. 3 (2015), S. 113-115.
[3] http://www.buchreport.de/nachrichten/online/online_nachricht/datum/2015/10/15/digitale-impulse-kommen-von-aussen.htm [17.10.2015].
[4] http://www.swop-exchange.de/konferenzen/epublish-2014/kongress/programm.html?programmid=602 [18.10.2015].
[5] Okke Schlüter, WS-04 Benefit Publishing – Letztlich verlegen wir Kundennutzen (E-Publish 2014, 06.11.2014, in: http://www.swop-exchange.de/konferenzen/epublish-2014/kongress/programm.html?programmid=591 [18.10.2015].

Berichterstattung

http://blogs.faz.net/buchmesse/2015/10/15/so-schlecht-geht-es-den-e-books-gar-nicht-685/

http://www.donaukurier.de/lokales/kurzmeldungen/eichstaett/Eichstaett-E-Book-Award-geht-nach-Eichstaett;art74356,3135048

http://www.buchreport.de/nachrichten/online/online_nachricht/datum/2015/10/15/digitale-impulse-kommen-von-aussen.htm

http://www.boersenblatt.net/artikel-elektronisches_auf_der_buchmesse.1037239.html

http://www.dpc-consulting.org/angekommen-in-digitalien-der-zweite-deutsche-ebook-award-auf-der-fbm15/

http://www.ku.de/presse/pi/einzelansicht/article/mbook-geschichte-erhaelt-deutschen-ebook-award/

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Der mGuide für das Töpfereimuseum Raeren – eine multimediale Reise in die Vergangenheit

Benjamin Heinz

„Die Raerener Fuhrleute waren tagelang unterwegs, bis sie endlich in Köln waren, denn die Straßen waren schlecht und die Reise gefährlich. Bis in die großen Hafenstädte wurde unser Raerener Steinzeug von ihnen gebracht […]. Eine solche Reise war oft schwieriger als gedacht, denn Straßen und Meere waren unberechenbar.“ – Eine Passage aus dem Animationsfilm zum Thema ‚Frühe Globalisierung‘ im neuen mGuide des Töpfereimuseums Raeren.

Warentransport war in der Frühen Neuzeit viel unberechenbarer und gefährlicher als heute. Er stellte die erfahrensten Händler, Fuhrleute und Seefahrer tagtäglich vor neue, im Vorfeld kaum abzuschätzende Herausforderungen.

Was die Fuhrleute aus dem limburgischen Ort Raeren transportierten? Steinzeug. Das Raerener Steinzeug  war im 16. und 17. Jahrhundert sehr gefragt. Töpfe, Krüge, Vasen oder anderes Geschirr  – nahezu für jeden Zweck hatten Raerener Töpfer etwas im Angebot. Sie waren weltweit für ihre hart gebrannten, wasserdichten und geschmacksneutralen Produkte bekannt. Viele Geschichten rankten und ranken sich bis heute um die Herstellung der Gefäße und um den Transport des Steinzeugs in alle Teile der damals bekannten Welt.

Das Töpfereimuseum in Raeren hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Raerener Steinzeug zu sammeln, zu bewahren, zu erforschen und Besuchern zu präsentieren. Dazu gehören auch die faszinierenden Geschichten über eines der High-Tech-Produkte der Frühen Neuzeit. Das Institut für digitales Lernen hat die Inhalte des Museums digital aufbereitet und dafür den mGuide entwickelt – eine multimediale Museums-App, die Museumsobjekte mit ihrem vergangenen oder gegenwärtigen Kontext verbindet.

Der kleine belgische Ort Raeren liegt nahe der deutschen Grenze, 10 km von Aachen entfernt und ist Teil der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

Das Töpfereimuseum Raeren
Das Museum präsentiert einen Überblick über die eindrucksvolle Geschichte des Raerener Steinzeugs. Die Sammlung ist in der Burg Raeren aus dem 14. Jahrhundert untergebracht. Ausgestellt werden u.a. Gefäße berühmter Raerener Töpfermeister. Ohne die zweifellos spannenden Geschichten hinter diesen Gefäßen bleiben die Objekte für die meisten Besucher aber stumm und damit langweilig. Also haben wir uns entschieden, den Alltag der Töpfermeister, ihr Leben und Arbeiten mit digitalen Mitteln wieder zum Leben zu erwecken, um die Welt des Raerener Steinzeugs heutigen Besuchern nahezubringen. Der mGuide für das Töpfereimuseum Raeren – eine multimediale Reise in die Vergangenheit weiterlesen

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WLAN in der Schule – Ein Erfahrungsbericht mit Meraki

@TobiDax

Als eines der Hauptprobleme der digitalen Schule wird immer wieder die mangelhafte WLAN-Infrastruktur angeführt. Oftmals heißt es dann, eine gesamte Schule sei so ohne weiteres nicht mit WLAN auszustatten. Des Weiteren wird nur allzu häufig auf das Missbrauchspotential eines Schulnetzwerks durch die Schüler selbst hingewiesen.
Auf diese beiden Punkte werde ich im folgenden Erfahrungsbericht aus der Realschule am Europakanal in Erlangen eingehen. Der Fokus wird dabei vor allem auf die technischen Probleme und Lösungen gelegt. Zum Einsatz von digitalen Medien und Tablets an der Realschule am Europakanal hat Florian Sochatzy schon einen Beitrag[1] veröffentlicht.

WLAN Empfang in der ganzen Schule

Die meisten Schulen sind große Gebäude mit mehreren Stockwerken, unzähligen Wänden, unterteilt in Klassenräume. Die Versorgung einer gesamten Schule mit WLAN erfordert daher genaue Planung und entsprechende Hardware.
In der Realschule am Europakanal in Erlangen hat man sich für eine Hardwarelösung der Firma Cisco  Meraki[2] entschieden.
WLAN in der Schule – Ein Erfahrungsbericht mit Meraki weiterlesen

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Der Deutsche eBook-Award 2015: Befreiung des digitalen Buchs von den Fesseln materieller Produktkategorien

Florian Sochatzy

Der Deutsche eBook-Award hat in diesem Jahr klargestellt, dass Qualität nicht von technischen Formaten abhängig ist, sondern auf Grund kreativer Ideen zu beurteilen ist. Letztes Jahr mussten Bewerber ihre Bücher in den technischen Produktkategorien ‚enhanced eBooks‘ und ‚eBook-Apps‘ einreichen. In diesem Jahr wurden die Kategorien vollständig verändert, so dass Formate und Distributionswege keine Rolle mehr spielen. Die neuen Kategorien lauten ‚Fiction‘, ‚Nonfiction‘, ‚Kinder und Jugend‘. Der Deutsche eBook-Award 2015: Befreiung des digitalen Buchs von den Fesseln materieller Produktkategorien weiterlesen

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Geschichte mit drei Streifen – Das adidas Archiv in Herzogenaurach

Benjamin Heinz

Tor, Tor, Tor, Deutschland ist Weltmeister! Jubelrufe auf den Rängen, pure Extase vor den Fernsehschirmen, Fußballprofis, die sich vor Freude in den Armen liegen. Wenige sportliche Momente sind derart emotional wie der Sieg einer Fußball-Weltmeisterschaft.

Doch die Jubelrufe verstummen irgendwann, das Stadion ist wieder leer. Was bleibt, sind die Objekte des Endspiels, der Ball, die Sportschuhe, die Trikots.

Die Aura dieser Objekte haben Sportartikelhersteller wie Adidas verstanden und machen sich daher auch ihren emotional-historischen Wert zunutze. „History Management“ nennt sich die Abteilung der Adidas-Firmenzentrale in Herzogenaurach, in der man mit Sportgeschichte und ihrem Wert umgeht. Mit Hilfe der Sportobjekte werden historische Narrationen gestaltet. Doch wie genau und mit welchen Mitteln lässt sich Geschichte in einem ökonomischen Kontext erzählen? Geschichte mit drei Streifen – Das adidas Archiv in Herzogenaurach weiterlesen

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Schulbücher für die multikulturelle Gesellschaft

Marcus Ventzke

Ein Bericht von der Tagung ‚Diversity und Migration in Lernmitteln’ in Düsseldorf

Die Fehlstelle Diversität wirft ein Schlaglicht auf die Mängel schulischen (Geschichts-)unterrichts
Die gerade veröffentlichte Schulbuchstudie Migration und Integration des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung hat Verlagen, Schulautoren, Lehrern und Lehrerbildnern einiges ins Stammbuch geschrieben: Eine didaktisch anregende und moralisch hinnehmbare Darstellung des Themas Migration – immerhin eines der grundlegenden Themen menschlicher Gesellschaften, ihrer ständigen Veränderung und Entwicklung – gelingt fachübergreifend nicht.

Schulbücher für die multikulturelle Gesellschaft weiterlesen

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Digitales Lernen – Mit Schulen statt über Schulen sprechen

Florian Sochatzy

Viele Menschen haben Angst davor, dass die digitale Realität  des 21. Jahrhunderts auch im bis dato vermeintlich geschützten Klassenzimmer ankommen könnte. Sie halten digitale Geräte für Vorboten seelenloser Roboterlehrer (J. Grossrath). Andere vertreten vehement die Auffassung „Bildschirmmedien  machen dick und unaufmerksam, senken die Leistung in der Schule und führen zu mehr Gewalt in der realen Welt (M. Spitzer).  Oder man befürchtet, dass die Umsetzung digitalen Lernens  im Unterricht aus technischen Gründen nicht realisierbar sei.

Um diesen Vorurteilen und Ängsten nachzugehen sind wir dorthin gegangen, wo diese Fragen täglich virulent sind: in eine Schule.
Die Realschule am Europakanal in Erlangen stellt  sich seit 2011 den digitalen Herausforderungen. Über 200 Schüler lernen dort mit Tablets. Die Zielsetzung des Tablet-Unterrichts beschreibt die Schule dabei so: „Wissen ist im Internet heute in vielfältigster Weise vorhanden. Man muss aber lernen, damit umzugehen, es zu strukturieren, zu analysieren und zu präsentieren. Um diese Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts anzubahnen, muss die digitale Lebenswirklichkeit auch in der Schule ankommen. Das iPad bringt den Makrokosmos ‚Welt‘ in den Mikrokosmos ‚Schule‘! Wir wollen den mündigen Schüler, wir wollen den Schüler, der teamfähig ist, der präsentieren kann – immer auf der Basis eines soliden, nachhaltigen Grundwissens.“ (Homepage der Schule)

Wir durften in zwei Doppelstunden Geschichtsunterricht einer 8. und einer 10. Klasse hospitieren. Die Stundenthemen behandelten ‚Napoleon‘ sowie die  ‚Institutionen der EU‘.
Digitales Lernen – Mit Schulen statt über Schulen sprechen weiterlesen

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